Mattis Teutsch, Hans (János)

Mattis-Teutsch: SeelenblumenMattis Teutsch Janos ist am 13. August 1884 in Kronstadt geboren. Dort besuchte er die Staatliche Fachschule für Holz- und Steinindustrie. Studierte dann Kunst in Budapest, München und Paris, um 1908 als renommierter Lehrer in seine Heimat zurückzukehren. Sein berühmtester Schüler: der Maler und Fotograf Brassai.

Nach 1933 verliert sich die Spur von Mattis-Teutsch, bis ungarische, rumänische und deutsche Kunsthistoriker sie in den 90er-Jahren wieder aufnahmen und so einen regelrechten Nachfrageboom nach seinen Bildern auslösten.

Diese Welle rollt jetzt auch nach Westeuropa und entfacht aufs Neue die Diskussion um die künstlerischen Einflüsse, die Mattis-Teutsch speziell in seinen expressionistischen Gemälden aufgriff. Immer wieder wird auf Anregungen durch Kandinsky oder Marc hingewiesen. Und auch wenn es dafür in der Literatur keine Beweise gibt - in seinen Arbeiten wimmelt es davon.

War Mattis-Teutsch anfangs dem Naturalismus verpflichtet, wurden die Bilder nach seiner Heimkehr immer abstrakter. Da stehen zum Beispiel grüne Männer unter gelben Bäumen. Und den Horizont säumen blaue und rote Hügel. Die Kunsthistoriker gehen sogar so weit, die Bäume in diesen Arbeiten mit dem Pferdemotiv von Marc zu vergleichen.

Einen tiefen Einschnitt, sowohl im Privat- als auch Berufsleben, versetzte Mattis-Teutsch der Tod seiner Ehefrau im Jahre 1916. Die weichen Linien seiner Aquarelle wurden härter und kantiger. Außerdem begann er in Öl zu arbeiten und größere Bildformate zu wählen. Zwei Jahre später waren es dann endgültig keine verfremdeten Naturdarstellungen mehr, die er auf der Leinwand festhielt, sondern sein aufgewühltes Gefühlsleben: innere Landschaften. Der Künstler nannte diese Bilder “Seelenblumen” oder “Kompositionen”. Und letzterer Titel erinnert wieder einmal an Kandinsky, der bei seinen abstrakten Gemälden zwischen Impressionen, Improvisationen und Kompositionen unterschied.

Eine weitere Verbindung zu den deutschen Expressionisten gab es 1921, als Mattis-Teutsch gemeinsam mit Paul Klee in der berühmten Berliner Galerie “Der Sturm” ausstellte. Und 1923 veröffentlichte die Zeitschrift dieser Galerie auf ihrem Titelblatt sogar einen Holzschnitt von Mattis-Teutsch mit dem Titel “Blauer Reiter”. Wie kann man die Verehrung und Übereinstimmung mit einem Stil deutlicher ausdrücken als durch solch eine Hommage? Und auch in einem Interview bekannte er sich ganz zu dieser Künstlergruppe: “Der Expressionismus wird zum ersten Mal durch Kandinsky mit seinen koloristischen Sinfonien vertreten. Dann sind Marc Chagall, Jawlensky und Franz Marc große Expressionisten, die mir gefallen.”

Warum der 1960 in seiner Heimatstadt in Rumänien verstorbene Künstler, trotz seines damaligen Erfolgs, nun zu einem der großen Unbekannten der internationalen Avantgarde gehört? Die Nazis drängten ihn ab 1933 als “Kulturbolschewisten” ins gesellschaftliche Abseits. Und daraus konnte er sich nicht mehr befreien. Auch nicht nach dem Krieg, denn da waren es die Kommunisten, die ihn unter Druck setzten.

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