Fronleichnam im Wudersch
Einer der größten Feiertage der Gemeinde war Fronleichnam, als die Gläubigen am Feste des Altarsakraments einen Blumenteppich auf den Prozessionsweg im Ort hinzauberten. Damals betrug der Weg der Prozession noch 2 km. Wo der Umgang vorbeikam, da haben die Hauseigentümer in Zusammenarbeit mit der Verwandtschaft einen 2 m breiten Teppich aus Blütenblättern gelegt.
Die Blumen wurden in den Tagen vor dem Fest gepflückt, jedoch hauptsächlich am Sonntag davor. Die Blütenblätter sammelte man in Körben, dann wurden sie im Keller in dünner Schicht ausgebreitet, nebelartig besprüht, damit sie frisch bleiben. Diese Arbeit wurde überwiegend von Mädchen und Frauen verrichtet. Sehr gefragt waren Kornblumen, Margerithen, Klatschmohn, Rittersporn und alle haltbaren Blumen.
Die Männer schnitten am Frühmorgen des Festes blattreiche Äste, die rechts und links in Halbmeter-Entfernung zum Blumenteppich in den Boden gesteckt wurden. Ebenfalls die Männer hatten zur Aufgabe die Breite des Teppichs vorzuzeichnen und den Boden öfters ausgiebig zu begießen.
Beim Teppichstreuen mußte die Zusammenstellung der Farben sehr beachtet werden, wie auch das gleichmäßige Streuen, dessen Schnelligkeit, die gleichmäßige Anordnung der Motive, welche natürlich religiöse Überzeugung versinnbildlichen sollten. Besonders viel war zu tun bei den vier Häusern, an deren Gassenfront sich die Fronleichnams-Kapellen anlehnten (das waren die Familien Braun, Wendler, Hauser, Kubik). Es bedeutete eine große Ehre, diese Kapellen schmücken zu dürfen.
Zum Zieren dienten aus frischen Blumen geflochtene Kränze, Altarbilder, Statuen, Leuchter und zierliche Tücher.
Vor der Prozession wurde in der Kirche ein Hochamt gelesen mit Blasmusikbegleitung, an der allgemein die Hesz-Musikkapelle und der Kirchenchor beteiligt waren. Bis das Hochamt zu Ende war, waren auch die Kapellen fertig geschmückt und die Prozession setzte sich in Bewegung. Entlang des Prozessionsweges waren alle Fenster der angrenzenden Häuser geziert. Bei jeder Kapelle machte die Prozession Halt und der Pfarrer spendete Segen mit dem Altarsakrament. Dabei wurden aus den vor der Steinberg-Kapelle aufgebauten Böllern vier Schüsse abgefeuert.
Bei der ersten Kapelle wurde das Lied „Menschen öffnet eure Augen” gesungen, das vom Kantorlehrer Franz Metzger aus Bayern nach Budaörs gebracht und von ihm für Musikkapelle und Chor bearbeitet worden war. Bei der zweiten Kapelle erklang das Lied „Wir kommen zu Dir, o, du köstliches Brot”, bei der dritten „O, Menschen, Kinder kommt her und seht das Wunder”, bei der vierten hat man „Schon stehen wir zum viertenmal” gesungen.
Am Nachmittag des Festes wurden die Kapellen nach der Litanei abgebaut und auch der Blumenteppich entfernt. Die zum Geschenk erhaltenen Kränze haben die Budaörser am Hausaltar aufgehängt und bis zum nächsten Fronleichnam dort gelassen.
Den Brauch des Budaörser Fronleichnam-Blumenteppichs haben wahrscheinlich die deutschen Siedler in den 1720er Jahren aus der alten Heimat nach Budaörs mitgebracht.
Auch in den benachbarten deutschen Dörfern (Großturwall, Wudigeß) lebte dieser schöne Brauch.
Der Blumenteppich ist „eine Attraktion, die immer mehr bekannt wird…sie zu sehen pilgern tausende und abertausende…zum Gaffen kommen tausende aus Budapest, um dieses ergreifende Drama zu sehen…ein brennendes Mystikum. Es ist ein treues Erbe, über mehrere Generationen hin vererbt. Es ruht auf zwei Säulen: dem Glauben und dem Beharren auf jahrhundertalte Traditionen…” -war 1925 in der Zeitschrift Vasárnapi Ujság (Sonntagsblatt) zu lesen.
Auch nach 1946, nach der Vertreibung der Deutschen aus Budaörs ist die Tradition des Fronleichnam-Blumenteppichs am Leben geblieben. Der Weg der Prozession ist heute auf einen Umgang der Kirche beschränkt, doch die heimatverbliebenen Deutschstämmigen und auch die religiösen Budaörser plücken auch heute wieder Blütenblätter und breiten einen bunten Blumenteppich aus.



