Christkindl-Singen im Krottendorf (Békásmegyer)
Zu Beginn der Adventszeit haben sich Jahr für Jahr Gruppen von je vier etwa zwölfjährigen Mädchen zum Christkind-Singen zusammengefunden. Meist waren es zwei Gruppen im Dorf. Die Stimmlagen wurden sorgfaltig ausgewählt, denn Maria sollte eine hohe und Josef eine tiefe Stimme haben. Nun wurde fleil3ig geübt - oft unter der Leitung des Kantors -, denn am Heiligabend durfte man sich von nichts “drausbringen” lassen. Ais Requisiten benötigte man zwei Kerzen für die Engel, für Maria einen geschmückten Stab und Josef trug eine Wiege mit einer Puppe als Jesuskind sowie ein Kreuz. Die Mädchen hatten weiße Kleider an und ließen ihre Haare offen. Die beiden Engel hatten im goldenes Band im Haar, Maria trug einen Schleier und Josef möglichst einen braunen Umhang. Als Begleitung dieser Gruppe gingen noch zwei Gaten-(Gerten)buam mit. Sie trugen ein Bündel selbstgeschnittener Weidenruten mit. Eine Kasse wurde natürlich auch mitgenommen und man freute sich, wenn es in der Blechdose schepperte. Am Heiligabend, etwa um 3 Uhr, ging es los. Die “Christkindln” gingen von Haus zu Haus. Vor den Türen kundeten Glöckchen ihr Kommen an und die Gruppe rief im Chor: “Derfe die Christkindln eini?”. Selbstverständlich durfte man, ja man wurde sogar sehnsüchtig erwartet. Oft wurde man schon draußen heimlich mit Geschenken für die Kinder bepackt, die man dann überbringen sollte. Mit “Gelobt sei Jesus Christus” trat man ein und steilte die Utensilien auf den Tisch. Die vorbereiteten Kerzen wurden angezundet und bei feierlicher Stile stimmten die “Christkindln” ihr Lied an:
Engeln:
Schain gun Ohmd,
was gib Eich Gott,
was gib Eich Gott,
i bin an ausgesandter Bot.
Von Gott, von Gott,
bin ichs gesandt,
bin ichs gesandt,
der Erzengei Gabriel werd’ ichs genannt.
Die Kraun trog i
wohl auf mein Haupt,
wohl auf mein Haupt,
hat mir’s Gottvater,
Gottsohn erlaubt.
Maria, Maria,
tritt herein,
tritt herein,
es wird Dir schon erlaubet sein.
Maria:
Ich kumm hereingetreten,
will hean, ob Eire Kinder fleißig beten.
Wann sie fleißig beten und singen,
werme eana goldene Gaben bringen.
Wann sie net fleißig beten und singen,
werd die Ruaten umerspringen.
Engeln:
O Maria sei net so hoat,
es geschiet nach Deinen Woat.
Tu es nochmals umbedenken,
und den Kindelein Gaben schénken.
Maria: Josef, herzliebster Josef mein.
Josef: Groß‘ Maria und Jungfrau rein.
Maria: Geh rein und wieg das Kindlein ein.
Josef: Wie soll ich das arme Kindlein wiegen,
kann mein alten Rücken nicht biegen.
Schlaf ein, schlaf ein, o Jesulein.
Maria: Josef, herzliebster Josef mein.
Josef: Groß‘ Maria und Jungfrau rein.
Maria: Was soll dem Kind sein Wiege sein?
Josef: Krippe soll sein Wiege sein.
Alle: Krippe ein, Jungfrau rein,
Krippe soll sein Wiege sein.
Maria: Josef, herzliebster Josef mein.
Josef: Groß‘ Maria und Jungfrau rein.
Maria: Was soll dem Kind sein Windlein sein?
Josef: Schlärlein soll sein Windlein sein.
Alle: Schlärlein sein, Jungfrau rein,
Schlärlein soll sein Windlein sein.
Maria: Josef, herzliebster Josef mein.
Josef: Groß‘ Maria und Jungfrau rein
Maria: Was soll dem Kind sein Name sein?
Josef: Jesu soll sein Name sein.
Alle: Jesu sein, Jungfrau rein,
Jesu soll sein Name sein.
Schlaf, liebstes Kindelein,
schlaf, liebstes Jesulein,
schließ Deine Augelein,
und jedermann Dich wiege,
und jedermann Dich ehre,
bis aus hat geschlafen o Jesulein,
bis aus hat geschlafen o Jesulein.
Nun nahm Maria eine von den Ruten, berührte damit jeden im Hause mit den Worten: “Frisch und gsund, frisch und gsund, bleihts gsund, bis i wiederkum!”
Alle: Wir wünschen Eich alle a glückselige Weihnacht!
So ging es von Haus zu Haus. Bis zum Gebetläuten mußte man beim Pfarrer scm und ihm vorsingen. Anschließend wurde eine kurze Pause gemacht zum Abendessen. Dann ging es gestarkt wieder weiter bis Mitternacht. Vor der Mitternachtsmesse zogen die Gruppen in die Kirche jeweils vor einen Seitenaltar ein - hier stellten sie ihre Requisiten ab, die dann die ganze Weihnachtszeit über dort blieben.
Inhalt mit freundlicher Unterstütztung von
László Wittinger
Békásmegyer



